Kapitel VIII
Wie Unterweger sich Geld beschaffte
Der Abkassierer
In Jack Unterwegers Leben spielte neben Frauen vor allem Geld eine große Rolle. Bereits in der Haft konnten sich die Werke Unterwegers großzügiger finanzieller Unterstützungen seitens des Unterrichtsministeriums erfreuen, auf die der nach seiner bedingten Entlassung auf großem Fuß lebende Schriftsteller ebenfalls zählen konnte.

Reichten einmal die finanziellen Zuwendungen des Staates bzw. der Gemeinde Wien nicht aus, besann sich der Literat auf die Vielzahl seiner Freundinnen.
Der Staat fördert erstmals einen Häftling
Der Staat definiert seine Förderungspolitik im Bereich Literatur und Verlagswesen folgendermaßen: «Zu den wichtigsten Prinzipien der Literaturförderung des BMUKS gehört es, möglichst alle Erscheinungsformen der zeitgenössischen Literatur zu erfassen, allen literarischen Ausdrucksformen unserer Zeit gerecht zu werden, experimentelle Literatur ebenso zu fördern wie traditionelle, literarische, literarisches Leben, ob es nun in Zeitschriften, Büchern, bei Lesungen, Präsentationen oder in Diskussionen zum Ausdruck kommt, soweit dies durch finanzielle Maßnahmen möglich ist, zum Durchbruch zu verhelfen.

Jack Unterweger
Jack Unterweger
(Foto: Fritz Fiedler / picturedesk.com)
Ein weiteres Prinzip, das mindestens ebenso wichtig erscheint wie der Pluralismus in der Förderungspolitik, ist die Einsicht in die überragende Bedeutung des Autors, des einzelnen schöpferischen Künstlers.»

Jack Unterweger hat unter diesen Voraussetzungen vom Unterrichtsministerium zwischen 1986 und 1991 insgesamt 412.000 Schilling an Förderungen erhalten. Dies erklärte Unterrichtsminister Dr. Rudolf Scholten Anfang Mai 1992 in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ. Die staatlichen Förderungen betrafen den Verlag Edition Wortbrücke, der von Unterweger 1985 in der Strafanstalt Stein gegründet wurde, dessen Literaturzeitschrift Wortbrücke sowie mehrere Theaterstücke und Buchprojekte.

Im Detail erhielt der wegen Mordes Verurteilte im Zusammenhang mit dem Buch Hierarchien oder der Kampf der Geschlechter im Jahr 1990 eine Förderung in der Höhe von 20.000 Schilling. Bereits drei Jahre zuvor wurde eine Buchprämie im Ausmaß von ebenfalls 20.000 Schilling gewährt. Die Literaturzeitschrift Wortbrücke wurde vom Ministerium zwischen 1986 und 1991 in Form von Druckkostenzuschüssen in der Höhe von insgesamt 105.000 Schilling gefördert. 60.000 Schilling gab es für den 1989 von Willy Hengstler verfilmten autobiografischen Roman Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus, der mit einem Kunstpreis ausgezeichnet wurde.

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Zitate
«Finanziell konnte ich mit Erspartem, Geld, das mir von Bekannten geschenkt wurde, und neu Verdientem, existieren.»

Jack Unterweger
aus Memorandum, verfasst in Miami 1992
Zitate
«Außer Jack Unterweger hat seit 1970 kein österreichischer Häftling Förderungen vom Unterrichtsministerium erhalten.»