Kapitel III
Der Weg in die Freiheit
Beitrittstäter, Helfer oder Betrogene
Jack Unterweger verfolgte während der Haft nur ein Ziel, die Chance auf eine bedingte Entlassung mit allen Mitteln zu erreichen.

Mit großem Geschick nützte er dabei seine durch mehrere Veröffentlichungen während der Haft gestiegene Popularität, sich Menschen des öffentlichen Lebens, vor allem aber Künstler, Politiker und Justizbeamte zu seinen wichtigen Fürsprechern zu machen, indem er sie von seiner vollzogenen Resozialisierung überzeugen konnte. Nach seiner Entlassung ebbte die Euphorie für den «Gefängnisliteraten» jedoch jäh ab, und es zeigte sich, dass so manches Engagement eher oberflächlich erfolgt war.
Endziel: Entlassung
Stets mit einem Bein im Knast
Jack Unterweger
Jack Unterweger
(Foto: Manfred Burger / picturedesk.com)
«Für mich war es die Chance für einen intellektuellen Neubeginn: Als Externist holte ich den Hauptschulabschluss nach; angeregt durch den Kurs ‹Technik der Erzählkunst› kam die Idee, mich mit der Literatur von der Vergangenheit zu befreien und die Gegenwart für eine Zukunft sinnvoll zu gestalten. Die Triebfeder dazu war sicher der Wunsch, die eigene Vergangenheit, die Schuld durch persönlich Erlebtes aufzuarbeiten...», schrieb der inzwischen zum Literaten avancierte, prominente Häftling Jack Unterweger im März 1989 seinem großen Mentor, dem 1990 verstorbenen Leiter der Strafvollzugsanstalt Stein, Dr. Karl Schreiner, im Anhang an seinen Antrag auf Übernahme in den Entlassungsvollzug. Von diesem stammt übrigens der legendäre Satz: «Einen so gut auf die Freiheit vorbereiteten Häftling finden wir nie wieder».

In einer Kurzbiografie nennt Jack Unterweger die Phase ab 1976 «Beginn eines Umdenkprozesses und einer Neuordnung des Lebens, der An- und Einsichten». Tatsächlich begann Jack Unterweger bereits kurz nach Antritt der lebenslangen Haftstrafe, zunächst an seiner Ausbildung zu arbeiten und sich intensiv um gute Kontakte zu namhaften Persönlichkeiten in der Literatur- und Journalisten-Szene sowie zu Leuten, die sich für die Resozialisierung von Häftlingen einsetzten, zu bemühen. In mühsamer Kleinarbeit versuchte er, sich außerhalb der Gefängnismauern Verbündete zu schaffen. In der Anstaltsbibliothek beschäftigt, las Unterweger eifrig Zeitungen und wusste bald über Verlage, Literaturzirkel und engagierte Journalisten Bescheid, schrieb ihnen Briefe oder ließ ihnen seine Texte zukommen.

Lesen Sie mehr in «Wenn der Achter im Zenit steht...»
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Zitate
«Soweit an Literatur Persönlichkeits- entwicklung ablesbar ist, hat sie Jack Unterweger vollzogen.»

Univ. Doz. Dr. Arno Pilgram,
Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie in einem Brief an Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger aus dem Jahr 1985
Zitate
«Die Klarheit, mit der Jack Unterweger die Ursachen für seine Kindheit, die er mit großer literarischer Qualität beschrieben hat, hat großen Eindruck auf mich gemacht.»

ELFRIEDE JELINEK
Schriftstellerin